(Davor: ‚Dromeda‘: Hin zur Eindeutigkeit)
Wenn man mit dem Interesse an Innovation auf das Schulwesen und die entdeckte Fallstruktur einer autonom ‚etablierten‘ Schülerin blickt, dann lautet die knappe Conclusio:
- Schule gelingt als Resonanzraum von Menschen für Menschen. Menschen, die einander – auf Augenhöhe – respektieren und anerkennen, so wie sie sind, neugierig und bereit zur Kooperation. So bringen sie ihre unterschiedlichen Erfahrungen in ein fruchtbares Verhältnis.
- In diesem Resonanzraum kann es den Sich-Bildenden gelingen, sich der eigenen Autonomie bewusst zu werden. Denn in jeder krisenhaften Handlung (in eine ungewisse Zukunft) kann das jeweilige Subjekt sich an den Spuren seiner eigenen Handlung reflexiv erkennen.
- Dieser Prozess des Bewusstwerdens und der Individuierung des sich bildenden Subjekts wird grundsätzlich dialogisch und letztlich im Medium der Sprache vollzogen, auch wenn überaus starke weitere Ausdrucksmedien daran beteiligt sind.
- In einer arbeitsteiligen und ökonomisch rationell ausdifferenzierten Gesellschaft wird auch das Schulwesen nach Gesichtspunkten der Sparsamkeit und Effizienz organisiert und verwaltet. Aber diese ökonomischen Gesichtspunkte und ihre Rationalität dürfen nicht zur Richtschnur für das pädagogische Handeln werden. Vielmehr sind die pädagogischen Aufgaben und Leitlinien aus der Analyse der strukturellen Herausforderungen von Bildungsprozessen zu gewinnen. In der Studie erwies es sich als zielführend, grundlegende Strukturfragen von Bildungsprozessen – wie die Berücksichtigung der Autonomie der Sich-Bildenden, aber auch der grundlegenden Kompetenzen aus familiärer Sozialisation, die dann auf die rollenförmigen Kompetenzanforderungen des institutionellen Schulbetriebs treffen – zu fokussieren, was in den Forschungsfragen ausgedrückt ist.
- Für diese sowohl grundlegende wie auch angewandte Strukturanalyse hat sich in der Studie die Methodologie der Objektiven Hermeneutik samt ihren Konstitutions- wie auch Gegenstandstheorien als angemessen erwiesen. Als methodische Verfahrensweise kam eine sequenzanalytische Fallrekonstruktion zur Anwendung. Es zeigte sich, dass das wissenschaftliche Fallverstehen einen Beitrag zum Gelingen von Schule leisten kann, indem es die in der Praxis durch das naturwüchsige (kindliche) und das naturwüchsig professionalisierte (pädagogische) Fallverstehen gefundenen Lösungen in deren innerer Logik rekonstruiert und expliziert. Dieses Verstehen eines Bildungsprozesses zeigt eine Alternative zur Logik der Beurteilung anhand von vorgefassten oder standardisierten Erwartungen auf.
- Allerdings sind wichtige Herausforderungen möglicher Schulinnovation – wie die genauere Bestimmung der Professionalisierungsbedürftigkeit pädagogischer Berufe oder gar die Überarbeitung des Schulrechts – zur systematischen Berücksichtigung der Autonomie der Sich-Bildenden nur am Rande bearbeitet. Diese Fragen (wie auch die Erweiterung der Datengrundlage) bedürften also weitergehender Forschungen. Dies sollte in möglichst engerVerbindung mit Entwicklungen in der Praxis des Unterrichts an Schulstandorten sowie mit der Koordination, Verwaltung und Steuerung der pädagogischen Angelegenheiten des Bildungswesens insgesamt erfolgen.